Peter Pacult
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Zu Gast beim Sky Sport Austria Podcast „DAB | Der Audiobeweis“ waren Experte Peter Pacult und Gerald Scheiblehner.

Gerald Scheiblehner:

…über seine nähere Zukunft: „Es gibt jetzt keine Angebote. Ich habe mich jetzt bewusst auf die Pause gefreut und mache eben mal Sachen, wo man als Trainer wenig Zeit hat im Normalfall. Ich habe jetzt noch vor, den Christian Ilzer zu besuchen, in Hoffenheim und dann werde ich noch meinen Sohn besuchen in Kanada und dann wird man sehen, was der Sommer bringt.“

…über seinen Ex-Verein GC Zürich: „Ich hoffe für den Verein, dass sie in der Liga bleiben, weil Grasshoppers in der zweiten Liga wäre fatal für den ganzen Verein. Jetzt haben sie noch fünf Spiele, da geht es jetzt darum, sich vorzubereiten auf die entscheidenden Spiele in der Relegation und ich hoffe, dass sie sich wirklich in der Liga bleiben. Sie haben Riesenprobleme gehabt mit den eigenen Fans, da ist es zu einem Eklat gekommen nach dem Spiel und jetzt muss man schauen, dass man die Situation beruhigt, die Mannschaft gut vorbereitet. Jetzt die Spannung aufzubauen für die nächsten Wochen wird sicherlich die größte Aufgabe und eine Riesenchallenge.“

…über die Stimmung der Fans bei den Grasshoppers: „Fans sind wichtig, aber sicher nicht das Wichtigste im Verein. Man muss viel im Austausch bleiben und sich mit Vertretern der Fanclubs regelmäßig treffen. Bei so großen Clubs sieht man ja vermehrt, das ist ein großes Thema, dass das auch teilweise ganz, ganz schwer unter der Gürtellinie passiert, wenn Fans gewalttätig werden gegen Spieler oder den Staff, dann werden Grenzen klar überschritten und ich denke, da muss man sich als Verein wehren und das darf man nicht zulassen. Ich hoffe, dass der Verein das in den Griff bekommt, aber das ist ja nicht nur in Zürich der Fall. Auch in Österreich gibt es immer wieder Probleme. Ich war jetzt in England, da ist eine sehr angenehme Stimmung. Man schaut sich das Spitzenspiel an, kann mit den Kindern reingehen und da ist überhaupt keine Aggressivität. Man darf Randalismus und bengalische Feuer nicht gleichsetzen mit Stimmung, das geht auch anders.“

…über die Wichtigkeit der Linzer Fans im Abstiegskampf: „Die Blau-Weiß-Fans sind echt außergewöhnlich. Blau-Weiß ist jetzt das dritte Jahr in der Bundesliga und es hat noch nie ein Pfiff gegeben. Und die Leistungen waren jetzt nicht immer prickelnd und wir haben auch Phasen gehabt, wo wir lange kein Spiel gewonnen haben. Ich denke, das macht es auch aus in Linz, dass immer eine extrem positive Energie von den Rängen kommt, das liegt auch an der Mannschaft, mit einem positiven Auftritt und ihrer Energie den Funken überspringen zu lassen und das war mir auch immer wichtig, das ist schon unsere Aufgabe, dass von uns die Energie ausgeht. Ich habe jetzt auch das Gefühl, dass die Mannschaft mit mehr Überzeugung auftritt, und das braucht es jetzt auch. Die Fans können sicher ein Pluspunkt sein im Abstiegskampf.“

…über Ronivaldo: „Ronivaldo ist für mich einfach ein Top-Mensch. Weil er sich absolut nicht wichtig nimmt und auch die Reservistenrolle sehr professionell annimmt. Er nützt dann die Minuten, die er bekommt und will der Mannschaft helfen. Bei ihm geht es wirklich nicht ums Alter, er läuft viel und hat super Sprintwerte. Er ist vielleicht nicht der Spieler, der jedes Wochenende 90 Minuten spielen kann, aber für 70 reicht es immer. Deswegen ist er enorm wichtig für diese Mannschaft. Ich glaube, jeder Verteidiger, auch die großen Verteidiger, die scheuen es, gegen Ronivaldo zu spielen, weil er so einen guten Schwerpunkt hat, er fällt eigentlich nie um, er ist für mich der kopfballstärkste Spieler in Österreich und gibt allein durch seine Präsenz der Mannschaft ein gutes Gefühl. Deswegen wird er für mich jetzt in der Rückrunde der Schlüsselspieler sein. Dass er fit bleibt, ist wichtig und dass er eben dann die Tore schießt. Brasilianer sind einfach andere Menschen. Er lebt einfach gern und ist einfach ein Vorbild für einen selbst, weil er morgens aufsteht und alles positiv sieht und nicht immer jammert, so wie die meisten Österreicher.“

…über die Vorbildfunktion von Ronivaldo: „Er zeigt immer wieder, dass er sich selbst nicht wichtig nimmt. Es geht ihm immer um die Mannschaft. Er ist auch im Training so. Bei Abschlussübungen zeigt er den Jungen vor, wie es geht. Wenn du mit 37 auf dem Niveau noch spielen kannst, dann ist das auch kein Zufall, dann ist das harte Arbeit und deswegen freut es mich auch für ihn, dass er jetzt wieder trifft. Der Bursche, der kann schon richtig was.“

…über Ronivaldos taktische Fähigkeiten: „Er ist sicher taktisch jetzt nicht der Beste. Ich denke, es ist schon wichtig, ihm sehr einfache Aufgaben zu stellen, vor allem gegen den Ball, weil er es natürlich nie so richtig gelernt hat, und es hat ihn auch nie so richtig interessiert, weil an dem ist er ja auch nie gemessen worden. Da muss man wie bei jedem Spieler die Stärken nutzen und das ist bei ihm ohne Zweifel im Strafraum. Er hat gar nicht so einen guten Schuss, aber er schafft es dann trotzdem immer wieder, Tore zu schießen. Seine Schüsse sind immer ein bisschen komisch, finde ich, aber sie sind sehr genau.“

…über Ronivaldo und Shon Weissman: „Mit Weissman und Ronivaldo hast du schon zwei Spieler, bei denen du schauen musst, dass du denen im Spiel gegen den Ball Aufgaben gibst, dass es die Mannschaft verkraftet und das war, glaub ich, so das Hauptproblem.“

…über die taktische Umstellung der Linzer: „Den Trainern, die dort arbeiten, sollte man zunächst einmal das Vertrauen schenken, dass sie gute Argumente haben für taktische Ausrichtungen. Michael Köllner wird sich sicher genug Gedanken gemacht haben, warum er das so macht, und wird seine Argumente dafür haben. Die anderen rund herum bewerten das dann, wenn’s gut läuft, hinterfragt es niemand, wenn’s nicht so gut läuft, hinterfragen es alle.“

Peter Pacult (Experte):

…über Entlassungen im Trainergeschäft: „Ich glaube, da geht jeder anders damit um. Gerald hat ja noch einen laufenden Vertrag, da machst du dir erstmal nicht großartig Sorgen oder Gedanken. Aber man bleibt einfach dabei. Du bist nicht jeden Tag mit Training und Analysen beschäftigt und schaltest da vielleicht ein bisschen mehr ab, aber im Endeffekt bleibst du gedanklich immer in der Szene drin. Als Trainer mehr wie als Spieler, sag ich mal.“

…über die Situation der Fans bei seiner Zeit in Leipzig: „Wie ich 2012 oder 2011 nach Leipzig gekommen bin, das war bei anderen Vereinen, ob das jetzt Sturm ist oder Rapid, das war ein Kindergarten dagegen, was sich da abgespielt hat. Gegenüber RB, also wir haben keine Gegner gehabt, keine Vorbereitungsspiele, wir haben kämpfen müssen, weil die Vereine unter Druck gesetzt worden sind, nicht gegen RB zu spielen. Der Kern der Fans musste sich erst langsam entwickeln.“

…über die Entwicklung beim WAC: „Der WAC ist momentan unter Druck, weil man nie in dieser Saison damit gerechnet hat, dass diese Situation passieren kann. Ich glaube, die Unruhe hat man sich selber eingebracht, so ehrlich muss der WAC und der Herr Riegler auch sein, dass er diese ganzen Umstände, die es gibt beim WAC, dass er da seinen Teil zu beigetragen hat. Vom Kader her, von der Mannschaft her, kann man nicht sagen Hoppala. Ich glaube, auch die Medien haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass sie den WAC so gehyped haben. Ich war immer derjenige, der auch gebremst hat.“

…weiter über den WAC: „Man darf auch nicht vergessen, es ist auch etwas bei den Spielern passiert, wenn der Trainer über die Nacht, von heute auf morgen, geht. Natürlich kommt dann auch eine andere Stimmung in die Mannschaft und ein anderer Trainer mit einer anderen Ansprache. Mir ist es dann nicht gelungen, das, was mich stark gemacht hat in den letzten Jahren, dass ich das reinbringe in die Mannschaft und vielleicht haben sich auch die Spieler zu sicher gefühlt mit dem ganzen drum herum. Man hat jetzt von außen das Gefühl, das ist keine Mannschaft.“

…über die Komponenten eines Trainers: „Ich glaube, Fußball ist auch nicht nur Taktik. Man darf den Trainer nicht immer nur hinstellen als Taktikfuchs oder als was auch immer. Das sind so viele Komponenten, die ein Trainer mitbringen muss und wenn man denkt, wie viele unterschiedliche Trainertypen erfolgreich sein können. Jeder hat seine Stärken. Oft ist es auch so, dass das Einfache der Weg zum Erfolg ist, weil du hast 20 Spieler vor dir sitzen und wichtig ist, dass die Burschen verstehen. Deswegen geht es viel um Mannschaft und Team, wie in jeder Familie und Betrieb. Deshalb gehört ein starker Anführer, in dem Fall der Trainer, der das im Griff haben muss, und ich glaube, Michael Köllner passt derzeit perfekt zum Verein.“

…über den Unterschied zwischen der „alten“ und „jungen“ Trainergeneration: „Du hast jetzt nicht mehr im Trainerkurs nur ehemalige Bundesligafußballer, sondern du hast jetzt auch Studenten, die jetzt nicht Bundesligaspieler waren, aber anderweitig in gewissen Dingen besser sind. Für mich ein großes Beispiel ist Christian Ilzer, der eigentlich Fußballer hätte werden wollen und aufgrund seiner Verletzung nicht werden hat können und wie der Fußball angeht, die Ansprachen und so weiter, das sind ganz andere Ansprachen, als wie ich die Mannschaft anspreche. Und das sind halt die großen Unterschiede. Es gibt keinen guten und keinen schlechten Trainer, sondern es gibt einen erfolgreichen und einen nicht erfolgreichen Trainer, weil entscheidend sind noch immer, die Ergebnisse müssen geliefert werden.“

Presseinfo

Sky Österreich

20.04.2026

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