In rund einem halben Monat startet die National Hockey League in die neue Saison.In den letzten drei Monaten, seit dem Stanley Cup Gewinn der St. Louis Blues, hat sich einiges getan. Sportreport gibt euch einen Überblick über die wichtigsten Ereignisse.
NHL Seattle nimmt Form an
Nur noch eine weitere Saison müssen die Nordwest-US-Amerikaner auf ihr eigenes NHL-Franchise warten. Ab der Saison 2020/21 wird in Seattle das zweiunddreißigste Team in der besten Liga der Welt stellen. Zwar gibt es weder Namen, Logo noch Farben für den Club, doch wurde in der Off-Season Ron Francis als General Manager der im Staat Washington beheimateten Mannschaft vorgestellt. Der ehemalige Kapitän der Hartford Whalers, Pittsburgh Penguins und Carolina Hurricanes stand gut tausendsiebenhundert Mal auf NHL-Eis. Nach seinem Karriereende im Jahr 2004 wurde Franics 2006 von den Hurricanes als Mitarbeiter angeheuert. Nach mehreren Jahren als Associated Coach, Assistant GM, Director of Hockey Operations und Director of Player Personnel wurde er in der Saison 2015/16 zum General Manager des Teams ernannt. Diese Rolle hielt Francis bis zum Ende der Spielzeit 2017/18 inne.
Als Spieler gewann der 1981 von Hartford gedraftete Center WM-Silber, zwei Mal den Stanley Cup und zahlreiche individuelle Awards und wurde darüber hinaus in die Hall of Fame aufgenommen. Seine Rückennummer, die #10, wird bei den Hurricanes nicht mehr vergeben.
Vor Kurzem wurde zudem Francis‘ Assistant GM bekannt. Mit Rick Olczyk wird ein den Hurricanes ebenfalls altbekannter Mann Francis zur Seite stehen. Der zuletzt als Scout bei den Toronto Maple Leafs Angestellte verbrachte bereits vier Jahre als Assistant GM unter Francis bei Carolina.
Deutsche Überraschung bei Draft-Zweikampf
Der diesjährige Entry Draft war von der Frage dominiert, ob der Finne Kaapo Kakko oder der US-Amerikaner Jack Hughes als Erster gepickt werden würde. Im Endeffekt schnappten sich die New Jersey Devils mit dem ersten Wahlrecht Center Hughes, Flügelstürmer Kakko wurde gleich darauf von den New York Rangers gewählt. Die Top 5 wurden von Kirby Dach (Chicago), Bowen Byram (Colorado) und Alex Turcotte (Los Angeles) abgerundet.
Für etwas Staunen sorgte jedoch der gesamtsechste Pick des Drafts. Die Detroit Red Wings holten sich den jungen Deutschen Moritz Seider, der vom CHL-Gegner der Vienna Capitals aus Mannheim ausgebildet wurde.
Namhafte Wechsel verschieben Machtverhältnisse
Die schmerzhaftesten Abgänge in diesem Sommer mussten wohl die Columbus Blue Jackets hinnehmen. Mit Elite-Goalie Sergei Bobrovsky (Florida Panthers), Star-Flügel Artemi Panarin (New York Rangers), Center Matt Duchene (Nashville Predators) und Stürmer Ryan Dzingel (Carolina Hurricanes) musste das Team aus Ohio enorme Verluste einstecken. Dem gegenüber steht als bisher größte Neuverplichtung Stürmer Gustav Nyquist (zuvor San Jose Sharks), der trotz seiner Qualitäten den offensiven Einbruch nicht ausgleichen wird können.
Abseits des gebeutelten Franchise aus der Eastern Conference steht mit Langzeit-San-Jose-Kapitän Joe Pavelski ein weiterer Star-Spieler auf unserer Liste. Nach dreizehn Saisonen in Kalifornien zog es den Veteran nach Texas zu den Dallas Stars. Dort wird er auf einen weiteren altgedienten Stürmer treffen, den der US-Amerikaner bereits gut kennt. Mit Corey Perry konnten sich die Stars nämlich einen weiteren erfahrenen Flügelstürmer von den von San Jose rivalisierten Anaheim Ducks holen.
Platz für die beiden Mitte 30-Jährigen ist vor allem durch den Abgang von Mats Zuccarello. Der Norweger, der gegen Ende der vergangenen Saison erstmals für ein anderes Team als die New York Rangers augelaufen war, unterschrieb bei der Minnesota Wild einen Vertrag.
Die New Jersey Devils konnten sich neben Jack Hughes auch die Dienste zweier erfahrenen Spieler sichern. Während sich das Team aus Newark Star-Verteidiger P.K. Subban per Trade von den Nashville Predators holten, sicherten sich die Devs auch die Unterschrift von Veteran-Stürmer Wayne Simmonds.
Drei recht ungewöhnliche Transaktionen fanden heuer im kanadischen Gebiet Alberta statt. Einerseits wechselten die Erzrivalen Calgary Flames und Edmonton Oilers unabhängig von eineinander die Torhüter miteinander (Mike Smith zu Edmonton, Cam Talbot nach kurzem Aufenthalt in Philadelphia zu Calgary), andererseits tradeten die beiden Teams zwei ihrer unbeliebten Stürmer zum jeweils anderen Franchise. So landete Milan Lucic bei den Flames, während James Neal in der kommenden Saison für die Oilers auflaufen wird. Zusätzlich könnte auch Ex-Oiler Tobias Rieder bald in einem rot-gelben Dress zu sehen sein. Der Deutsche trainiert derzeit mit den Flames und hofft auf einen Vertrag.
Einen ebenfalls hochkarätigen Tausch vollzogen die Toronto Maple Leafs mit der Colorado Avalanche. Die Kanadier erhielten den rechtshändigen Verteidiger Tyson Barrie, während das Team aus Denver Center Nazem Kadri nun Teil des Kaders nennen darf.
Einen echten Star-Stürmer konnten sich die Arizona Coyotes sichern. Mit Phil Kessel kommt ein in den letzten Jahren sehr produktiver Flügelspieler nach Glendale. Für ihn gaben die Yotes Stürmer Alex Galchenyuk und Verteidiger Pierre-Olivier Joseph an die Pittsburgh Penguins ab.
Rücktrittswelle bringt Abschied mehrerer NHL-Veteranen
Nicht nur aufgrund der vielen Trades und Wechsel blieb auch der eishockeyfreie Sommer spannend. Auch die Rücktrittserklärungen einiger NHL-Größen sorgten für eine ereignisreiche Off-Season.
Der erste legendäre Veteran, der in der diesjährigen Hockeypause sein Karriereende bekannt gegeben hatte, war Torhüter-Legende Roberto Luongo. Der zweifache Weltmeister und Olympiasieger stand zuletzt etwas mehr als fünf Saisonen bei den Florida Panthers zwischen den Pfosten. Dort ist sein Nachfolger wie bereits erwähnt der russische Star-Torhüter Sergei Bobrovsky.
Luongo bestritt seine ersten Spiele in der besten Liga der Welt während der Saison 1999/2000 für die New York Islanders. Von 2000 bis 2006 stand der 40-Jährige erstmals bei den Florida Panther unter Vertrag. Zur lebenden Legende wurde der Gewinner der Jennings Trophy für die wenigsten Gegentore in der Saison 2010/11 jedoch bei den Vancouver Canucks. Für die Kanadier hütete er vierhundertachundvierzig Mal das Tor und diente zwei Spielzeiten lang als Kapitän des Teams. Gleichzeitig repräsentierte Luongo vierundzwanzig Mal sein Heimatland Kanada. Zusätzlich zu den bereits erwähnten vier Goldmedaillen holte er bei WM 2004/05 Silber und konnte ebenfalls den World Cup of Hockey 2003/04 gewinnen.
Gut ein Monat nach Luongo gab auch der altgediente Torhüter Cam Ward seiner Rücktritt bekannt. Dreizehn seiner vierzehn Saisonen in der NHL verbrachte der 35-Jährige bei den Carolina Hurricanes. Mit den US-Amerikanern gewann der Kanadier 2005/06 den Stanley Cup und wurde gleichzeitig mit der Conn Smythe Trophy als bester Spieler der Playoffs ausgezeichnet. In der vergangenen Saison stand Ward das erste und einzige Mal nicht für die Canes unter Vertrag, sondern lief für dreiunddreißig Spiele für die Chicago Blackhawks auf. Um seine Karriere bei den Hurricanes zu beenden, verpflichtete Carolina ihn für einen einzelnen Tag. Mit Kanada gewann der Torhüter jeweils einmal Gold und einmal Silber.
Eine weitere Legende setzte sich erst vor knapp einer Woche offiziell zur Ruhe. Der legendäre Verteidiger der Red Wings, Niklas Kronwall, wird nach fünfzehn Saisonen für Detroit nicht mehr professionell Eishockey spielen. Der langjährige Assistant Captain der Motorstädter wurde nach dem Stanley Cup Gewinn 2007/08 gemeinsam mit seinen Landsmänner Henrik Zetterberg und Mikael Samuelsson Mitglied des Triple Gold Clubs, in den nur Spieler aufgenommen werden, die die NHL, eine Weltmeisterschaft und die olympischen Spiele gewonnen haben. Kronwall wurde zudem Vize-Weltmeister, Olympia-Finalist und zwei Mal schwedischer Meister. Der Linksschütze hat in der Eishockeywelt aufgrund seiner harten Checks einen Kultstatus erreicht und hat sich mit dem Begriff „kronwalled“ (wall = dt. Wand) in die Geschichtsbücher des Sports eingetragen.
Zusätzlich gaben auch die Stanley Cup-Sieger Brooks Orpik (2-Mal), Matt Cullen (3-Mal), Chris Kunitz (4-Mal), Stephen Gionta (1-Mal) und Ben Lovejoy (1-Mal) ihren Rücktritt bekannt.
Carolina Hurricanes-Kapitän Justin Williams hat sich nach achtzehn Saisonen in der NHL für eine Auszeit entschieden. Der 37-Jährige gab bekannt, dass er die Off-Season nur damit zugebracht habe, wieder fit zu werden. Der dreifache Stanley-Cup-Sieger und zweifache Weltmeister wäre zum ersten Mal in seiner Karriere nicht sicher, ob er weitermachen könne und wolle.
Neue RFA-Gehälter lassen nächsten Lockout befürchten
Wesentlich mehr Trubel als in den letzten Jahren gab es in diesem Sommer um die Vertragsverlängerungen diverser Youngsters. Allen voran Mitch Marner (Toronto) hielt die Hockey-Welt in Atem. Der Stürmer, der sich im Schatten von Superstar Auston Matthews zu einem gewichtigen Baustein im Kader der Maple Leafs entwickelt hat, hat laut Medienberichten bereits zu Beginn der Off-Season einen Mega-Deal über acht Jahre mit einem Durchschnittsgehalt von rund elf Millionen Dollar abgelehnt. Vor wenigen Tagen dann die Entwarnung für alle Fans: Marner wird in den nächsten sechs Jahren bei den Leafs bleiben und insgesamt fünfundsechzig Millionen Dollar verdienen. Das Problem: damit liegen die Kanadier rund vierzehn Millionen Dollar über dem Cap Space.
Vor einem ähnlichen Problem stehen auch die Vancouver Canucks. Mit nur etwas mehr als vier Millionen Dollar Platz im Cap Space konnten sich die Kanadier noch immer nicht auf einen Vertrag mit Nachwuchs-Star Brock Boeser einigen. Die Situation wird dadurch erschwert, dass 2021 auch das zweite Aushängeschild des Teams, Elias Pettersson, neu verpflichtet werden muss.
In einer ähnlichen Situation befinden sich zudem folgende Teams:
Philadelphia Flyers (freies Cap: 6,7 Mio.) – noch ohne Vertrag: Travis Konecny, Vertragsende 2020: Nolan Patrick
Boston Bruins (freies Cap: 7,3 Mio.) – noch ohne Vertrag: Brandon Carlo, Charlie McAvoy
Winnipeg Jets (freies Cap: 15,5 Mio.) – noch ohne Vertrag: Patrik Laine, Kyle Connor
Calgary Flames (freies Cap: 7 Mio.) – noch ohne Vertrag: Matthew Tkachuk
Eine Katastrophe vorerst (wenn auch ungewollt) abwenden werden wohl die Dallas Stars können. Bei den Texaner steht mit Julius Honka einer der wichtigsten Verteidiger des Teams noch ohne Vertrag da. Die Stars haben derzeit nur rund eine Million Dollar im Cap Space frei, doch ihr finnischer Youngster hat erst kürzlich einen Transfer zu einem anderen Team verlangt.
Die Situation rund um die Verträge ist derzeit also bereits recht prekär und die Aussicht der gesamten Liga ist auch in den nächsten Jahr nicht rosig. Immer mehr Stimmen regen sich, die sich vor dem dritten Lockout der NHL-Geschichte fürchten. Zwar wurde das Cap Space in diesem Sommer deutlich angehoben, doch bedeutet eine weitere Erhöhung desselbigen auch, dass die Kluft zwischen finanzstarken und finanzschwachen Teams weiter auseinanderdriften würde.
Verletzungssorgen in Anaheim gehen weiter
Das Team mit dem derzeit meisten Platz im Cap Space sind die Anaheim Ducks. Die Kalifornier müssen in der kommenden Saison zur Gänze auf ihre beiden Elite-Stürmer Ryan Kesler und Patrick Eaves verzichten. Die beiden Veteranen werden in der kommenden Spielzeit aufgrund gesundheitlicher Probleme wohl kein einziges Spiel bestreiten.
Anaheims Verletzungsprobleme gehen damit auch in der Saison 2019/20 weiter. Bereits im vergangenen Jahr hatte sich Elite-Flügel Corey Perry langfristig verletzt und keine einzige Partie für die Ducks absolviert. Perrys Vertrag wurde bald darauf aufgelöst, in der kommenden Spielzeit wird er für Dallas auflaufen.
für Sportreport (Lukas Hörmandinger)
16.09.2019





