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In der ersten Woche der Champions Hockey League-Saison 2019/20 warten nordeuropäische Gegner auf den EC-KAC.

Mit den Heimspielen gegen den finnischen Spitzenklub Tappara Tampere am Donnerstag und den norwegischen Meister Frisk Asker am Samstag (Spielbeginn jeweils 19.30 Uhr) startet der EC-KAC in dieser Woche in die dritte CHL-Teilnahme seiner Klubgeschichte.

TAPPARA TAMPERE (FIN):
Klubidentität Tappara (frei ins Deutsche übersetzt: „Streitaxt“) wurde im Jahr 1955 gegründet und stieg direkt in die höchste Liga Finnlands ein. Dort feierte der Klub umgehend große Erfolge: 1959, 1961 und 1964 krönte man sich zum Meister. Als amtierender Titelträger stieg man 1965 in die Zweitklassigkeit ab, das Intermezzo dauerte jedoch nur eine Saison, seit 1966 spielt Tappara durchgehend in der ersten Liga. Dabei gewann der Verein elf weitere Male die Meisterschaft (zuletzt 2017). In jeder der jüngsten sieben Saisonen beendete man den Liiga-Grunddurchgang auf einem der ersten drei Ränge, nach sechs Finaleinzügen in Serie schied man in der abgelaufenen Spielzeit erstmals wieder im Halbfinale aus.

Beheimatet ist Tappara in Tampere, der drittgrößten Stadt Finnlands. Den Großraum bewohnen rund 380.000 Menschen, sodass Tampere als die größte Binnenstadt innerhalb der Nordischen Länder gilt. Das Fehlen eines Meerzugangs wird von der Lage der Stadt zwischen zwei Seen, dem Näsijärvi (der mit seinen knapp 8.000 Quadratkilometern nahezu die Fläche Kärntens erreicht) und dem Pyhäjärvi, kompensiert.

Die Vereinsfarben Tapparas sind Blau, Orange und Weiß, sie gehen auf den Vorgängerklub, den Tammerfors BK der schwedischen Minderheit, zurück. Das Klublogo ziert dem Namen entsprechend eine orange Streitaxt auf blauem Grund. Mit dem Stadtrivalen Ilves, der mit 16 bislang zwei Meistertitel mehr erringen konnte als Tappara, teilt der Verein die Spielstätte: Die umgangssprachlich als Hakametsä bezeichnete Halle wurde 1965 errichtet und bietet heute 7.300 Zusehern Platz (Zuseherschnitt Tapparas im Liiga-Grunddurchgang 2018/19: 5.227). In zwei Jahren übersiedeln die beiden Traditionsklubs gemeinsam in die aktuell im Bau befindliche Tampereen Monitoimiareena, die für 13.000 Fans ausgerichtet sein wird.

Letzte Saison Tappara übersprang in der vergangenen Liiga-Saison 2018/19 zum siebten Mal in Folge die 100-Punkte-Marke: In den 60 Partien der Regular Season wurde man nur 19 Mal besiegt, als Tabellenzweiter hinter dem überlegenden Grunddurchgangssieger Kärpät gelang die Play-Off-Qualifikation souverän. Nach einem 4:0-Sweep gegen Lukko (mit Manuel Ganahl) im Viertelfinale zog Tappara im Halbfinale gegen den späteren Meister HPK (aus Hämeenlinna) mit 2:4 den Kürzeren. Im „kleinen Finale“ besiegte Tampere dann den Hauptstadtklub HIFK, das Liiga-Finale ging jedoch erstmals seit 2012 ohne Beteiligung Tapparas über die Bühne.

Überlegener Topscorer des Teams war im Vorjahr Kristian Kuusela, der in 71 Partien 63 Punkte sammeln konnte. Der mittlerweile 36-jährige Routinier schaffte es dadurch auch in das WM-Aufgebot Finnlands und holte sich mit der „Leijonat“ in Bratislava den dritten Weltmeistertitel ihrer Geschichte. Mit Niko Ojamäki, der mit 24 Saisontreffern zum besten Torjäger des Klubs 2018/19 avancierte, stand ein weiterer aktueller Spieler Tapparas im weltmeisterlichen Aufgebot Finnlands. Ein Ausrufezeichen setzte im Vorjahr auch Goalie Christian Heljanko, der, obwohl erst 21 Jahre jung, zur Nummer eins im Tor aufstieg und somit den langjährigen NHL-Schlussmann Niklas Bäckström ins zweite Glied zurückdrängte.

CHL-Geschichte Tappara Tampere ist der einzige Klub aus der finnischen Liiga, der sich für jede der bisher sechs Auflagen der Champions Hockey League seit deren Einführung 2014 qualifizieren konnte. Dabei präsentierte sich die „Streitaxt“ vor allem in der Vorrunde als überaus erfolgreich: In vier der fünf Saisonen (ausgenommen 2016/17, als man Zweiter hinter dem HC Lugano wurde) gewann Tappara seine Gruppe. Weniger erbaulich gestaltete sich hingegen die Bilanz in der KO-Phase der CHL: Ebenfalls in vier von fünf Spielzeiten kam das Aus in der ersten Runde, lediglich 2015/16 übersprang Tampere die Hürde HC Vítkovice im Sechzehntelfinale. Jeweils im Achtelfinale scheiterte Tappara an den Frölunda Indians, Luleå Hockey, JYP Jyväskylä und im Vorjahr Kometa Brno. Insgesamt bestritten die Finnen in ihrer Geschichte bislang 38 CHL-Partien, dabei standen (bei einem Unentschieden) 22 Siegen 15 Niederlagen gegenüber.

KAC-Bezüge Obwohl sich der EC-KAC und Tappara Tampere am Eis noch nie gegenüberstanden, gibt es doch zahlreiche Verbindungen zwischen den beiden Klubs. Von den insgesamt 19 finnischen Spielern, die in der KAC-Geschichte das rot-weiße Trikot übergestreift haben, spielte fast die Hälfte, nämlich neun, davor oder danach auch für Tappara.

Den klangvollsten Namen aus dieser Gruppe trägt zweifellos der leider im März verstorbene Pertti Koivulahti, der für die Klagenfurter in der Saison 1979/80 nicht weniger als 52 Bewerbsspiel-Tore erzielte und sowohl davor als auch danach ausschließlich für seinen Stammverein Tappara auflief (15 Saisonen, davon acht als Kapitän). Ebenfalls für beide Vereine im Einsatz waren seine Landsmänner Esko Kaonpää, Seppo Ahokainen, Jukka Porvari, Harri Laurila, Petri Matikainen, Jaako Niskavaara, Kim Strömberg und Pekka Tuokkola. Sowohl für den EC-KAC als auch für Tappara liefen zudem die Kanadier Andy Chiodo, Joey Tenute und Kevin Doell auf, Rauno Korpi arbeitete für beide Klubs als Trainer.

FRISK ASKER (NOR)
Klubidentität Frisk (frei ins Deutsche übersetzt: „Frische“) wurde als allgemeiner Sportverein im Jahr 1922 gegründet, der Eishockeysport im Jahr 1935 – also gut acht Jahre nach dem EC-KAC – ins Programm aufgenommen. Einschneidend verändert hat sich der Klub 1969: Einerseits wurde in Asker die erste vollüberdachte Eishalle im Großraum Oslo eröffnet, andererseits fusionierte Frisk mit dem Hauptstadtklub IK Tigrene und wurde damit auf einen Schlag zum Erstligisten. Die englische Version von Tigrene, Tigers, blieb bis heute als Zusatz zum Vereinsnamen und im Klublogo erhalten.

Seit dem Zusammenschluss spielte der Verein in 49 von 50 Saisonen – ausgenommen vom Zweitligajahr 1994/95 – in Norwegens höchster Liga. In der abgelaufenen Spielzeit gewann der Klub zum vierten Mal (nach 1975, 1979 und 2002) den nationalen Meistertitel, vier weitere Male scheiterte man seit der Einführung der Play-Offs erst im Finale.

Ansässig ist Frisk in Asker, einem südwestlichen Vorort der Hauptstadt Oslo, im Gemeindegebiet leben knapp über 60.000 Menschen. Heimspielstätte des Vereins ist die Askerhallen, die nach einem Brand 1973 wiederaufgebaut und neu eröffnet wurde. Unter ihrem charakteristisch halbrund gewölbten Dach finden heute bei Ligaspielen bis zu 2.400 Zuseher Platz. Frisks Vereinsfarben sind Schwarz und Orange.

Letzte Saison Nachdem Frisk Asker den Grunddurchgang der norwegischen Get-ligaen vier Mal in Folge in der oberen Hälfte des Klassements beendet hatte, landete man im Vorjahr exakt in der Mitte – auf Tabellenplatz fünf unter neun Teams. In den Play-Offs setzten die Tigers unter dem im Dezember im Alter von erst 29 Jahren bestellten Head Coach Jan André Aasland zum Höhenflug an: Im Viertelfinale ging es gegen den Lillehammer IK über die volle Distanz von sieben Spielen, sämtliche Partien endeten mit Siegen für die Auswärtsmannschaft. Die am Papier höchste Hürde übersprang Frisk im Halbfinale: Gegen den Lokalrivalen Vålerenga Oslo, auf den man am Ende der Regular Season noch 30 Punkte Rückstand aufgewiesen hatte, setzte sich Asker in sechs Spielen durch. Gleich lange dauerte dann auch die Finalserie gegen die Stohamar Dragons: Vor eigenem Publikum wurde in der Overtime von Spiel sechs der vierte Meistertitel der Klubgeschichte fixiert, Routinier Petter Kristiansen erzielte den entscheidenden Treffer.

Topscorer des norwegischen Champions war im vergangenen Spieljahr Kyle Bonis, der den Klub im Sommer jedoch in Richtung Slowakei verlassen hat. Sein Punkteschnitt pro Partie wurde teamintern allerding vom Schweden Hampus Gustafsson überboten, der erst im Dezember zur Mannschaft gestoßen war und schließlich zum Play-Off-Topscorer avancierte. Zum ligaweiten Most Valuable Player der KO-Phase der Meisterschaft wurde dessen Landsmann, der Torhüter Nicklas Dahlberg, gewählt, der bereits seit 2012 bei Frisk Asker unter Vertrag steht. Den Großteil der Meistermannschaft konnte der Klub zusammenhalten, von den 28 Spielern, die am Saisonende den Kader bildeten, stehen 23 auch heuer im Aufgebot, lediglich Backup-Goalie Furseth, der in den Ruhestand gewechselte Cocozza und drei Imports (Bonis, Thompson und McMonagle) verließen den Verein.

CHL-Geschichte Frisk Asker feiert in der heurigen Spielzeit sein Debüt in der Champions Hockey League. Auch insgesamt ist die internationale Erfahrung der Tigers recht überschaubar, in Summe lediglich zehn Spiele im ehemaligen Europacup und im Continental Cup stehen zu Buche. Bei der erstmaligen Europacup-Teilnahme 1975/76 übersprangen die Norweger in Runde eins die Hürde des dänischen Titelträgers (Gladsaxe SF), scheiterten dann aber klar am DDR-Champion Weißwasser. In der Folgesaison verzichtete Frisk Asker auf ein Antreten gegen Polens Meister Nowy Targ. Letztmals auf europäischer Ebene engagiert war der Klub vor 21 Jahren: Im Continental Cup 1998/99 erreichte man die zweite Gruppenphase.

Insgesamt ist Frisk Asker der fünfte norwegische Verein, der in der Champions Hockey League vertreten ist: Während die Auftritte von Vålerenga Oslo (2014/15) und dem Lørenskog IK (2016/17) Einzelfälle blieben, qualifizierten sich die Stavanger Oilers gleich vier Mal für die CHL. Erfolgreichstes Team aus Norwegen war bisher jedoch Storhamar Hamar, das bei seinen beiden Teilnahmen 2015/16 und 2018/19 jeweils die Gruppenphase überstand und das Achtelfinale erreichte. Bei ihrem CHL-Debüt besiegten die Dragons dabei in der ersten KO-Runde den EC Salzburg.

KAC-Bezüge Der EC-KAC und Frisk Asker standen sich bisher noch nie in einem Bewerbsspiel gegenüber, überhaupt traten die Rotjacken in ihren bislang 113 Partien auf europäischer Ebene (Europacup, Continental Cup, Champions Hockey League) zwar bereits gegen Kontrahenten aus 17 verschiedenen Nationen an, jedoch noch nie gegen einen Klub aus Norwegen. Auch gibt es keinen einzigen Spieler, der im Verlauf seiner Karriere sowohl Klagenfurt als auch Asker repräsentiert hat.

Die Verbindungen zwischen den beiden Klubs sind demnach äußerst vage, jedoch stehen im aktuellen Kader von Frisk zwei Spieler mit EBEL-Vergangenheit. Routinier Anders Bastiansen, mit 38 Jahren der deutlich älteste Akteur im Aufgebot, spielte in der Saison 2014/15 im Trikot der Graz 99ers gegen den EC-KAC. Der Kanadier Alex Lavoie stand in der vergangenen Spielzeit in Diensten des HC Innsbruck und erzielte eines seiner elf Saisontore (den Ehrentreffer der Haie bei der 1:5-Niederlage in der Stadthalle Anfang Dezember) gegen die Rotjacken.

Medieninfo EC KAC

26.08.2019

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