Franz Kalla: Heimspiele werden live in der Halle übertragen!

Vienna Capitals, Franz Kalla

Sportreport-Leser fragen – Vienna Capitals-Manager Franz Kalla antwortet. Im Gespräch mit Thomas Muck lässt der Manager der Wiener mit einer Überraschung für Hallenbesucher aufhorchen.

Sportreport: Das Wetter hat sich dem Terminplan der Eishockey-Saison angepasst. Die Saison der Capitals startet so früh wie noch nie. Wie sieht im Moment ein Tag in Ihrem Leben aus?
Franz Kalla: Ich hoffe schon noch, dass sich das Wetter dem Kalender endlich anpasst (schmunzelt). Nichts desto trotz haben wir Eis aufgebaut. Die Mannschaft hat am 1. August mit dem Eistraining begonnen. Der Tagesablauf selbst ist gestopft voll mit Terminen. Bisher läuft alles sehr gut.

Sportreport: Heuer gibt so früh wie noch nie Eishockey in Wien. Ist es nicht ungewöhnlich so früh mit der Saison zu beginnen?
Franz Kalla: Natürlich ist es einwenig absurd, wenn wir über den Sommer sprechen und auf der anderen Seite wird in der Halle Eis aufgebaut. Das hat damit zu tun, dass die Mannschaft für den Saisonstart im September rechtzeitig mit dem Training beginnen muss.

Sportreport: Wir haben unseren Lesern die Möglichkeit gegeben, Fragen an die Capitals einzuschicken. Für viele ist es ärgerlich, dass es aufgrund der Bauarbeiten kein öffentliches Training gibt.
Franz Kalla: Das tut ehrlich gesagt weh. Insofern, weil die Mannschaft von den Fans traditionell begrüßt wurde beim ersten Training. Ich verstehe hier den Ärger! Wir hätten es natürlich selbst gerne anders gehabt. Aber wir müssen ein Monat früher fertig werden, um den Spielbetrieb aufzunehmen. Es ist leider eine Ausnahmesituation – in der ersten Emotion ist etwas Ärger dabei. In der zweiten wird dann durchaus auch Verständnis für die Situation da sein. Am 11. August wird es dann umso schöner werden.

Sportreport: Ein bestimmendes Thema bei den Fans ist die Verpflichtung von Reinhard Divis. Wie nimmt das der Manager der Capitals die emotionale Situation wahr? Gibt es hier Strategien um gegenzulenken, oder lassen die Capitals den Dingen ihren Lauf?
Franz Kalla: Reinhard Divis ist ein polarisierender Spieler. Das wissen wir! Er war in der Vergangenheit immer ein wichtiger Erfolgsbaustein für seine Teams. Daher war er natürlich nicht immer ein „gern gesehener Gegner“. Das kann man mit einem Spieler von uns vergleichen: Benoit Gratton ist ein Akteur, den alle anderen Teams sportlich nicht mögen. Die Fans der Gegner sind ihm gegenüber nicht positiv gestimmt. Aber jede Mannschaft hätte ihn gerne in ihren Reihen. Ich denke, bei Reinhard Divis ist es ähnlich. Sobald er seine gewohnt guten Leistungen zeigt, werden sich die Fans mit ihm bald versöhnen.

Sportreport: Am Ende der vergangenen Saison sind die Capitals knapp im Semifinale an Salzburg gescheitert. Die Mannschaft hat aber viel an Ansehen gewonnen. Ist dieser Punkt als Manager fast so wichtig wie der sportliche Erfolg?
Franz Kalla: Es ist schwierig, mit der eigenen Enttäuschung umzugehen. Natürlich arbeitet man das ganze Jahr daran, ein gestecktes Ziel zu erreichen. Aber das Wichtigste ist, dass man mit Stolz und erhobenen Haupt aus der Saison gehen kann. Jeder hat gesehen, mit welchen Engagement und großem Herz die Mannschaft gespielt hat. Wir haben nur positives Feedback auf die Performance des Teams erhalten. Das lindert – ehrlich gesagt – schon etwas die Enttäuschung.

Sportreport: Vor etwas einem Jahr haben sie im Interview mit Sportreport eine Art ‚Capitals-TV’ in der Schultz-Halle angekündigt. Gibt es hier schon Neuigkeiten?
Franz Kalla: Die Halle ist ausgestattet mit zwei Videowänden, die zwölf Meter lang und vier Meter hoch sind. Zusätzlich gibt es eine Reihe von Fernsehern. Das heißt, wir werden die Spiele jetzt produzieren. Das heißt – entweder in Absprache mit den TV-Host oder, wenn das Spiel nicht live übertragen wird, werden wir es selbst produzieren. Pro Spiel werden acht Kameras im Einsatz sein. Sie werden die Bilder für die Videowände und die Fernseher einfangen.

Sportreport: Heißt das, die Zuschauer verpassen nichts mehr – auch wenn sie einmal die Szene nicht direkt auf dem Eis sehen konnten?
Franz Kalla: Das ist der Sinn und Zweck des Ganzen! Das Erlebnis Eishockey in der Schultz-Halle wird sich dadurch dramatisch verbessern.

Sportreport: Gehen Sie zu anderen Großveranstaltungen, um mögliche Ideen in das Event-Konzept der Capitals einfließen zu lassen? Oder bleiben die Capitals hier auf ihrem eigenen Weg?
Franz Kalla: Leben heißt lernen. Ich bin permanent bei anderen Sportveranstaltungen. Es gibt genug gute Dinge, die man wo anders sehen kann. Man kann viele Punkte bei anderen abschauen – aber auch bei „normalen“ Events bin ich ständig unterwegs.

Sportreport: Durch den Hallen-Neubau verlieren Fanklubs wie die „Fiaker-Caps“ oder „Das Eck“ ihren angestammten Platz. Bieten die Capitals hier den Fanklubs andere Stammplätze an? Wie sieht es mit dem Eckproblem aus?
Franz Kalla: Die beiden angesprochenen Fanklubs waren mit mir bereits in der Halle. Wir haben ihnen die neuen Gegebenheiten bereits vor Wochen gezeigt. Zumindest haben sie in der Bauphase gesehen, wie die Halle dann aussehen wird. Wir geben nichts vor. Jeder soll das Spiel dort verfolgen, wo er sich wohl fühlt. Dass es Verunsicherung bedeutet, wenn ein „angestammter Platz“ verloren geht ist jedem klar und verständlich! Es gibt aber statische Gegebenheiten, die man nicht ändern kann. Ich denke wenn alles fertig ist, wird sich auch dieses Problem lösen.

Sportreport: Frage eines Fans. Wann wird die Stehplatztribüne im vierten Rang – neben dem Pressebereich – geöffnet?
Franz Kalla: Dieser Bereich ist ein Reservebereich sozusagen. Er wird geöffnet je nach Auslastungsgrad der Halle. Warum das so ist? Weil die Gastronomiebetreuung beispielsweise in anderen Bereichen der Halle besser ist. Aus diesem Grund wird dieser Bereich erst geöffnet, wenn wir an die Kapazitätsgrenzen geraten.

Sportreport: In der spielfreien Zeit musste Kevin Kraxner seine Karriere beenden. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als der Spieler gesagt hat, dass es körperlich nicht mehr geht?
Franz Kalla: Ich war bei dieser Entscheidung dabei. Es war für mich leider nicht überraschend. Mir persönlich hat es sehr leid getan. Die Stärken des Kevin Kraxner sind bekannt. Im Leben ist es so, dass wenn eine Türe zugeht, geht eine andere auf. Für den Kevin wird das eine neue Zukunft bedeuten. Wir haben Gespräche geführt, um ihn weiter in der Teamorganisation zu halten. Denn er hat einen tollen Charakter und wollen ihn gerne weiter im Verein binden.

Sportreport: Ist eine endgültige Entscheidung bereits gefallen?
Franz Kalla: Wir werden noch Gespräche führen. Der Kevin ist im Urlaub. Wir haben das endgültige Gespräch noch nicht geführt. Vor Wochen haben wir die entsprechenden Vorgespräche geführt.

Das Gespräch führte Thomas Muck

02.08.2011