Viktorija Golubic trifft im Finale der Generali Ladies Linz auf Dominika Cibulkova

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Grund zum Feiern hat Viktorija Golubic am Sonntag auf jeden Fall. Denn die Schweizerin, die durch den krankheitsbedingten Ausfall von Madison Keys ins Finale des „Generali Ladies Linz“ eingezogen ist, feiert am Sonntag ihren 24. Geburtstag! Ob sie sich mit dem Turniersieg selbst beschenkt hat, wird sie gegen 16 Uhr wissen.

Ein leichtes Unterfangen wird es nicht, denn die Finalgegnerin der Schweizerin, Dominika Cibulkova, hat sich am Samstag im Halbfinale in toller Form präsentiert: Die Slowakin setzte sich gegen die Spanierin Carla Suarez Navarro mit 6:4, 6:2 durch. Das Finale beginnt um 14 Uhr.

Der letzte Turniertag wird bereits um 11.30 Uhr mit dem Doppel-Finale eröffnet.

Bewegende Zeremonie zum Abschied von Sandra Klemenschits: „Sandi, umarme das Leben“
Es war der erwartet emotionale Moment beim Damentennis-Klassiker „Generali Ladies Linz:“ Die Salzburgerin Sandra Klemenschits, eine der besten österreichischen Spielerinnen, hat mit 33 Jahren Abschied vom Turniertennis genommen. Und viele Freunde aus nah und fern sind am Samstagnachmittag nach Linz gekommen, um mit „Sandi“, wie sie allseits genannt wird, zu feiern: Von den Snowboard-Schwestern Manuela und Claudia Riegler über Rollstuhl-Rennfahrer Thomas Geierspichler, Yvonne Meusburger, Barbara Haas, ÖTV-Generalsekretär Thomas Hammerl, Gerd Schramml, Michael Dalus, Michael Schwarz bis zu Ex-ÖTV-Masseur Kurt Waltl, der einst gemeinsam mit der WTA und Barbara Schett eine Spendenaktion für Sandra initiiert hatte.

Der Grund für Sandras Entschluss, die Turnierkarriere zu beenden: „Eine konstante Verletzung an der Ferse erlaubt es mir nicht mehr, mehrere Turniere in Folge zu spielen. Das schmerzt mich in jeder Hinsicht, jedoch haben mir die vergangenen Jahre vor allem eines gelehrt: Dass nichts so wichtig ist wie die Gesundheit! Kein sportlicher Sieg kann mit dem größten Sieg in meinem Leben mithalten: Dem Sieg über meine Krankheit. Dies vor Augen ist es mir doch nicht ganz so schwer gefallen, die Entscheidung für den Tennis-Ruhestand zu treffen“, erklärte Sandra Klemenschits, die im letzten Turnier mit einer ihrer Lieblingspartnerinnen gespielt hat. Mit der 37-jährigen Schweizerin Patty Schnyder! Die beiden haben schon mal ein recht erfolgreiches Duo gebildet auf der WTA-Tour, etwa als Schnyder einst im Jahr 2011 ihre Karriere für beendet erklärt hatte. „Patty ist ein ganz toller Mensch. Es freut mich sehr, dass sie jetzt bei meinem Abschiedsturnier an meiner Seite stand“, meinte Sandra Klemenschits.

Entzückt war Sandra Klemenschits über eine Videobotschaft ihres großen Idols Martina Navratilova („Sandra, genieße Dein neues Leben“). Yvonne Meusburger, die vor zwei Jahren hier in Linz ihre Karriere beendet hatte, sagte: „Ich kann mir vorstellen, wie Du Dich im Moment fühlst. Aber glaube mir, das Leben nach der Tenniskarriere ist auch schön.“ Turnierdirektorin Sandra Reichel meinte: „Sandi, Du bist der ehrlichste Mensch, den ich kenne und damit ein Vorbild. Ich hoffe, dass Du noch oft zu Gast sein wirst bei unserem Turnier in Linz.“

„Du hast Tennis gelebt, geliebt und geatmet“, sagte Turnierbotschafterin Barbara Schett, die an gleicher Stelle vor zwölf Jahren mit Profitennis aufgehört hat. Ihr Tipp für Sandra Klemenschits: „Umarme das Leben.“ Sichtlich bewegt von dieser Zeremonie, die Stadionsprecher Erwin Gruber mit viel Gefühl moderiert hat, bedankte sich Sandra Klemenschits mit den Worten: „Es ist schön zu wissen, dass Menschen hinter einem stehen, auch wenn es manchmal nicht so gut läuft im Leben.“ Sie weiß, wovon sie spricht.

ACADEMIA SUPERIOR & GENERALI LADIES LINZ DOUBLE TALK MATCH MIT NICK BOLLETTIERI BEIM HALBFINALE
Gespannt waren alle, was sich das GENERALI LADIES LINZ zusammen mit ACADEMIA SUPERIOR an diesem Halbfinalsamstag hat einfallen lassen. Die Tribüne war voll, das Publikum gespannt und die Diskussionsgäste auch. Und so liefen Sie ein, unsere Stars am Court 1 in der TipsArena. Mixed Doppel 1 Nick Bollettieri und Barbara Schett, Mixed Doppel 2 hatte es in sich, denn LR Michael Strugl wurden gleich zwei erfolgreiche WTA Tennisdamen aus dem aktuellen Spielerinnenfeld zur Seite gestellt. Im Satz 1 die Schwedin Johanna Larsson, die 28-jährige Rechtshänderin steht aktuell auf Platz 47 und hat sich mit ihrer im SET 2 ablösenden Doppelpartnerin, der Niederländerin Kiki Bertens (aktuelles WTA Ranking Platz 23) bei den GENERALI LADIES Linz ins Doppelfinale gespielt.

Der über drei Sätze gehende Schlagabtausch wurde selbstverständlich auch von einem Schiedsrichter begleitet. Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger forderte die Teams heraus, stellte sie auf die Probe und betonte in seiner Schlussrede das Wesentliche dieser Veranstaltung. Die Liebe zum Sport, die Liebe zum Tennis, die allen gemein war, dem Publikum genauso, wie auch den Diskussionsgästen. Kati Bellowitsch moderierte mit ihrer frischen Art und stellte wie es sich gehört die Sparing Partner dem Publikum vor.

SET 1: Vergangenheit und Gegenwart des Sports – eine Bestandsaufnahme
Nick Bollettieri:
Der Unterschied von gestern zu heute ist die Einstellung eines TOP Spielers zu sich, seinem Körper, seinen Bedürfnissen, seiner Ernährung. Mit seinem Verhalten kann jeder die Fitness seines Körpers beeinflussen. Das hat auch Novak Djokovic schon früh erkannt. Denn es kommt auch darauf an, wie man seinen Körper nach dem Sport behandelt, wie er sich erholen kann.

Babsi Schett: Die körperliche Entwicklung spielt eine große Rolle im Vergleich zu früher. Früher war sie eine der größten Spielerinnen, heute sind alle noch viel größer.

Johanna Larsson: Ja, es stimmt, dass manche Top Spielerinnen keine Privatsphäre mehr im Vergleich zu früher haben. Sie selbst hat das Glück, dass sie noch nicht so stark erkannt wird und sie macht einen großen Unterschied zwischen Ihrem Beruf, dem Tennis und ihrem Privatleben.

Michael Strugl:
Es stimmt, dass immer viel Wind darum gemacht wird, wenn z.B. bei den Olympischen Spielen nur eine Bronze Medaille für Österreich gewonnen wird. Aber viel wichtiger ist, in wie weit der Sport unsere Gesellschaft beeinflusst im Vergleich zu früher. Es geht um die Präsenz eines Landes in der Öffentlichkeit. Dieser Einfluss darf nicht unterschätzt werden.

Markus Hengstschläger
mit einem Blick in die vielleicht nahe Zukunft: Wenn ein genetischer Bluttest aufzeigen könnte, wie man das Training verbessern kann, würde man das tun?

Ein einhelliges JA war die Antwort auf diese Frage von Johanna und Babsi – ein Jein von Nick, denn man dürfe ja nicht vergessen, dass die Genetik alleine nicht den Unterschied macht in seinen Augen. Den wirklichen Unterschied macht die Selbstdisziplin und die Unzufriedenheit in uns und natürlich macht der Trainer den Unterschied. Es gibt den Trainer, der schreit und schimpft mit den Spielern, der sie antreibt und versucht zu verändern. Und es gibt den Trainer, der versucht das Beste aus den gegebenen Fähigkeiten herauszuholen. Der das große Ganze im Auge hat und auch das Umfeld und die Familie in Betracht bei seinen Trainingsmethoden zieht. Das macht einen guten Trainer aus.

SET 2: Zukunft des Sports – welche Innovationen erwarten uns?
Nick Bollettieri:
Selbstverständlich wird das Equipment der Spieler immer besser, immer intellektueller, mit besseren Schlägern, besserer Beseitung usw. Und die Selbstdisziplin spielt auch eine große Rolle. Ein Murray trainiert jeden Morgen und jeden Abend mehrere Stunden, denn wenn man fitter ist, kann man den Ball länger im Spiel halten und am Ende den Gewinnerschlag platzieren.

Babsi Schett: Um in Österreich in der Zukunft als Profitennisspieler bestand zu haben, braucht es natürlich Geld, aber vor allem Herz und Talent. Die Rolle der Eltern spielte auch bei ihr eine große Rolle, aber nicht indem die Eltern sie zum Tennistraining brachten, sondern den nötigen Rückhalt boten. „Ich wusste immer was ich wollte, am Anfang die Tenniskarriere und jetzt die Moderation und die Botschafterin für das GENERALI LADIES LINZ, der Wille ist das, was zählt!“

Kiki Bertens: Kiki würde sich die Genetik zu nutze machen, wenn es denn ginge, aber nur um die Trainingsmethoden besser anzupassen. Man muss immer an sich weiterarbeiten. An die Zukunft nach dem Tennis kann sie noch nicht denken. Ihr ist es wichtig einen Schritt nach dem anderen zu machen. Ihre Eltern haben sie immer unterstützt, aber zum Tennis ist sie über ihren Onkel gekommen. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte, ein T-Shirt zu tragen, das ihre Vitalwerte live überträgt, dass das zu weit ginge, weil es ja primär um den Sport gehen solle.

Michael Strugl: Wenn man sich vorstellt, dass in der Zukunft nur mehr eine bestimmte Anzahl an Sportarten in Österreich gefördert werden würde, das wäre schlimm. Es geht um den Sport und den Einfluss von Sport auf die Gesellschaft, auch auf die zukünftige Gesellschaft. Das Land Oberösterreich hat eine klare Strategie: Talentförderung, Jugendförderung und Verbesserung der Infrastruktur. Es geht um die Einstellung, wenn wir diese auch in unserem Alltagsleben ändern, nämlich den täglichen Sport in unser Alltagsleben zu integrieren, und nur dann, werden wir es schaffen.

Nick Bollettieri: Das allerwichtigste für die Zukunft des Sports ist es, den Kindern zu zeigen, dass es möglich ist wirklich Profisportler zu werden, dass jeder diese Möglichkeit hat unabhängig vom persönlichen Geldbeutel. Es ist aber genauso wichtig Fehler zu machen, denn nur aus diesen kann man lernen besser zu werden, denn ansonsten bleibt man nur durchschnittlich.

SET 3: Fragen aus dem Publikum
Frage: Wir lieben alle das Drama beim Tennis, ist diese permanente Leistungssteigerung wirklich für unseren Körper möglich?

Nick Bollettieri: Man kann immer fitter werden. Seht mich an. Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich schlafe kaum, aber ich bin fit.

Frage: Es geht um Leidenschaft für den Sport, die Fokussierung auf den Sport, was können wir für die Oberösterreichische Region daraus lernen?
Michael Strugl: Erfolg und die Möglichkeiten, die sich einem damit eröffnen, kommen nicht von ungefähr. Wir vergessen eines im Sport, wir jammern immer, dass alles etwas kostet, aber wir vergessen etwas ganz wesentliches. Sport hat einen enormen wirtschaftlichen und sozialen Einfluss auch auf unsere Kinder. Wir können aus Sport und der Hingabe, mit der manche Sportler diesen Beruf ausüben viel lernen und an unsere Kinder weitergeben. Insbesondere solche Events, wie das GENERALI LADIES LINZ in Oberösterreich, in Linz, haben einen enormen Einfluss auf die Region, auch die Menschen, die hier leben. Wir wollen das Turnier unbedingt in Linz halten.

Letzte Frage: Wie kommt es, dass es momentan so eine große Menge an jungen Nachwuchsspielern in USA gibt? In Österreich haben wir momentan nur einen, Dominik Thiem?

Nick Bollettieri: Ja, es stimmt, das Männertennis in den USA hat viele vielversprechende Talente, aber auch bei den Damen haben wir mit Madison Keys eine junge vielversprechende Dame im Feld. Er selbst fördert mit seiner gegründeten Tennisacademy in Florida gerne junge Talente. Es ist sein größter Erfolg und er schöpft seine Energie aus den lächelnden Gesichtern der begeisterten Jugendlichen, denen er versucht zu vermitteln, worauf es beim Profitennis ankommt, nämlich auf Disziplin, Leidenschaft und den Willen. Vor allem muss man an sich glauben und an sich arbeiten. Sport ist wichtig, aber nichts ist wichtiger, als dass wir den Kindern die Chance auf ein gutes Leben geben.

Markus Hengstschläger betonte zum Schluss die Liebe zum Tennis, bedankte sich bei der Turnierdirektorin Sandra Reichel für das Engagement und bei den Diskussionsgästen für Ihre Zeit und Ihre Gedanken.

Presseinfo Generali Ladies Linz

15.10.2016