Beim Finalturnier der Tischtennis Bundesliga der Damen und Herren, setzten sich am Samstag in Baden bei den Damen die hoch favorisierten Spielerinnen von Linz AG Froschberg 1 im Schwesternduell mit dem LZ easyTherm Linz Froschberg mit 5:1 durch. Liu Jia schenkte damit sich selbst und ihrem Verein zum Abschied noch einen Titel. Bei den Herren krönte sich die SG Stockerau nach dem Cupsieg nun auch zum Meister. Dabei wurde Finalgegner Walter Wels im Vorfeld noch als Favorit gehandelt, doch Altmeister Chen Weixing, Janos Jakab und David Serdaroglu rangen den Oberösterreichern ein 3:3 Unentschieden ab. Damit ging das Spiel in einen Entscheidungssatz der auf fünf Punkte gespielt wurde. Dabei setzte sich der Ungar Jakab gegen den Chinesen Wang Jianjun 5:2 durch und bescherte Stockerau den Titel.
„Ich kann es gar nicht glauben, es ist für mich ein Traum. Seit zwölf Jahren sage ich, wenn ich Meister werde, trete ich zurück. Aber das werde ich jetzt doch nicht machen“, schmunzelte ein überglücklicher Stanislaw Fraczyk, Manager der SG Stockerau, nach dem Titelgewinn.
Noch vor wenigen Wochen musste sich seine Mannschaft in der letzten Runde des Grunddurchgangs Walter Wels klar mit 0:4 geschlagen geben. Überhaupt galten die Oberösterreicher als Favorit auf den Titel, gewannen im Grunddurchgang 18 von 18 Spielen. Lediglich zu Saisonbeginn, beim Bundesliga-Opening, in dessen Rahmen auch der Österreichische Tischtennis Cup ausgespielt wird, ließ man aus, verlor im Viertelfinale gegen den KSV Hi Way Grill Kapfenberg mit 2:3.
Schon damals schnappte damit die SG Stockerau den Welsern den ersten Titel der Saison weg und nun auch noch den Meisterpokal.
Durch den Austro-Chinesen Chen Weixing legten die Niederösterreicher auch gleich einen fulminanten Start hin, der ihnen viel Selbstvertrauen für die restlichen Duelle geben sollte. Gegen Mihai Bobocica setzte sich Chen Weixing überraschend deutlich mit 3:0 durch. Die einzelnen Sätze verliefen durchaus eng, doch dem Niederösterreicher gelang es immer im entscheidenden Moment davonzuziehen.
Wenig Chancen hatte danach David Serdaroglu gegen Wang Jianjun. Er verlor glatt mit 1:11, 2:11 und 6:11. Doch wieder gelang es Stockerau vorzulegen. Janos Jakab trat gegen Zsolt Petö an die Platte und entschied das hart umkämpfte Spiel, mit vielen Topspin-Duellen, klar mit 3:0 für sich.
Und auch das Doppel verlief ganz nach dem Geschmack der Stockerauer Fans. Janos Jakab und Chen Weixing gelang es gegen Mihai Bobocica und Zsolt Petö immer vorzulegen. Lediglich der dritte Satz ging an die Welser, doch im vierten Satz zogen die Niederösterreicher schnell davon und stellten mit 4:1-Sieg auf 3:1. Das Unentschieden war der SG Stockerau damit sicher.
Walter Wels erzwingt Entscheidungssatz
Walter Wels stand mit dem Rücken zur Wand, doch unter Druck wuchsen Wang Jianjun und Mihai Bobocica nochmals über sich hinaus. Der Chinese in Diensten der Oberösterreicher konnte gegen seinen Landsmann Chen Weixing zwei Mal vorlegen. Beim Stand von 2:2 nach Sätzen und 8:7 im fünften Satz, vergab Chen Weixing die Chance auf den Ausgleich. Statt 8:8, führte Wang Jianjun mit 9:7 und servierte souverän aus.
In seinem zweiten Einzel agierte David Serdaroglu erneut nervös, verlor gegen Mihai Bobocica den ersten Satz glatt mit 2:11. Im zweiten konnte er zumindest bis zum Stand von 6:6 mit dem Italiener mithalten und auch im dritten Satz hielt er die Partie einige Zeit offen, doch Bobocica sorgte in souveräner Manier für den 3:3 Ausgleich.
Ein Entscheidungssatz, der auf fünf Siegpunkte gespielt wurde, musste also her um den Meister der Saison 2016/2017 zu ermitteln. Janos Jakab nahm die Herausforderung gegen Wang Jianjun an, nahm dem Chinesen gleich zu Beginn seinen Aufschlag ab und führte mit 2:0. Wang Jianjun kam nochmals auf 2:3 heran, doch am Ende jubelte Jakab über den klaren 5:2 Erfolg und den Titel: „Ich habe gewusst, dass ich extrem aggressiv gegen Wang spielen muss um eine Chance zu haben. Zum Glück ist alles aufgegangen. Hier ging es nicht um Können, das war eine reine Nervensache.“
Chen Weixing, SG Stockerau: „Bei diesem Entscheidungssatz war ich nervöser als bei meinen eigenen Spielen. Es war unglaublich, ich bin stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein.“
David Serdaroglu, SG Stockerau: „Unglaublich wie alle gekämpft haben. Heute werden wir richtig feiern!“
Bernhard Humer, SPG Walter Wels: „Schade, dass eine tolle Aufholjagd nicht belohnt wurde. Nach dem Doppel waren wir ja praktisch tot.“
Mihai Bobocica, SPG Walter Wels: „Es haben Kleinigkeiten entschieden, dass es diesmal nur zu einem 3:3 gereicht hat, im Vergleich zum 4:0-Sieg vor wenigen Wochen. Stockerau hat diesmal die knappen Punkte gemacht, die wir zuletzt gemacht haben.“
Linz AG Froschberg 1 souverän zum 17. Titel
Es war der große Abschied von Liu Jia bei Linz AG Froschberg. 21 Jahre lang spielte sie für den von Günther Renner gemanagten Verein, zum Abschied sollte unbedingt noch ein Titel her. Und welcher sollte schöner sein, als der Meistertitel?
Im Schwesternduell mit dem LZ easyTherm Linz Froschberg war Liu Jia auch die erste die an die Platte trat für ihr Team. Gegen Karoline Mischek tat sich Österreichs Nummer 1 ein wenig schwer, ging aber mit 3:1 als Siegerin vom Tisch. Kompromisslos agierte im Anschluss Sofia Polcanova gegen Anelia Lupulesku stellte mit 11:1, 11:2 und 11:8 rasch auf 2:0 für Linz AG Froschberg 1.
Auch das dritte Spiel gestaltete sich zu einer klaren Angelegenheit für den Favoriten. Aurelie Maienburg gewann gegen Sophia Kellermann mit 3:1, musste dabei lediglich den dritten Satz mit 6:11 abgeben.
Für Spannung sorgte das Doppel Mischek/Kellermann gegen Polcanova/Maienburg. Den ersten Satz verlor man denkbar knapp mit 11:13, drehte danach aber das Spiel und gewann am Ende 3:1.
Es war der großen Liu Jia vorbehalten, für die Entscheidung zu sorgen. Gegen Anelia Lupulesku machte sie kurzen Prozess und bescherte ihrem Herzensverein den 17. Meistertitel. Das letzte Spiel wurde, da unbedeutend, w.o. gegeben und für Linz AG Froschberg gewertet.
Liu Jia, Linz AG Froschberg 1: „Irgendwie war es ein komischer Tag, aber ich freue mich, noch einmal den Titel geholt zu haben. Ich freue mich für den ganzen Verein. Ohne Linz Froschberg wäre ich nicht so weit gekommen.“
Robert Renner, Manager Linz AG Froschberg: „Es war eine gute Partie, in der die jungen Spielerinnen des LZ easyTherm Linz Froschberg erneut eine Talentprobe abgelegt haben. Ich freue mich sehr über den 17. Titel der Vereinsgeschichte.“
Presseinfo Österreichische Tischtennis Bundesliga
20.05.2017