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Damir Canadi ist bei Rapid Wien Geschichte. Es ist der dritte Trainerwechsel innerhalb eines Jahres. Mit Goran Djuricin übernimmt nun der vierte Trainer. Langsam drängt sich die Frage auf: Ist der Trainer alleine schuld? Ein Kommentar von Dominik Hana

Eines gleich vorweg. Natürlich ist der Trainer nie alleine Schuld an der Misere einer Mannschaft. Es sind schließlich die Spieler, die auf dem Platz stehen und ihre Leistung abrufen müssen. Klingt logisch, ist an sich auch keine neue Fußballweisheit. Der Coach stellt seine Mannschaft taktisch und mental auf ein Spiel ein. Doch wenn man Damir Canadi kennt dann weiß man, dass er dies mit 100 % Leidenschaft tut. Möglicherweise agierte er bei den Hütteldorfern auch zu direkt im Umgang mit den Spielern. Einige konnten mit seiner „Art“ offenbar nicht viel anfangen. In Altach hatte er Spieler, die damit besser zurecht kamen und durch diese „kitzeln“ bzw. „provozieren“, wie es Canadi bei einer Pressekonferenz in jüngster Vergangenheit selbst formulierte förmlich zur Höchstform aufliefen und mit der Wut im Bauch den Erfolg lieferten.

Auf der anderen Seite hat Canadi das ein oder andere Mal die Spieler sprichwörtlich zur Sau gemacht, was nicht gerade zur besseren Stimmung und zu einer Besserung des Verhältnisses zwischen Canadi und der Mannschaft beitrug.

Bei Rapid sind die Spieler offenbar sensibler im Umgang mit Kritik. Dies lässt den Schluss zu, dass der einstige Erfolgscoach aus Altach gegen Ende nicht mehr den besten Draht zum Team hatte. Als Beispiel dafür kann auch die jüngste 0:3 Niederlage in Ried gesehen werden, die einer Arbeitsverweigerung gleichkam. Nun ist man im Abstiegskampf angekommen. Spätestens jetzt! Der Coach wurde wieder gewechselt. Die Zeit der Ausreden für die Spieler des SK Rapid Wien sind somit definitiv zu Ende. Denn immer nur den Trainer zu wechseln, kann nicht des Rätsels Lösung sein. Schließlich kann man sich in der Privatwirtschaft auch nicht den Chef aussuchen. Canadi wollte um jeden Preis den Erfolg. Sicherlich hat er sich sein Engagement bei den Hütteldorfern anders vorgestellt. Auch was den mentalen Zustand der Mannschaft angeht, war er sich offensichtlich nicht den Ernst der Lage bewusst.

Er versuchte auch, der Mannschaft eine neue Spielanlage beizubringen. Weg vom Ballbesitzfußball und hin zum reaktiven Fußball. Doch das das nicht überall und mit jeder Mannschaft möglich ist, davon musste sich der 46-jährige nun selbst überzeugen. Auch das war mit Sicherheit ein Grund dafür, warum das Spiel von Rapid so überhaupt nicht in die Gänge kam. Die Spieler waren für sein Spielsystem nicht prädestiniert. Die Akteure agierten zu behebig, spielten nicht konsequent genug den letzten Pass und trafen vor dem Tor die falschen Entscheidungen. Die Spieler selbst müssen in einigen Punkte sich auch an die eigene Nase fassen.

Irgendwo ist die ganze Misere auch eine Einstellungssache – Im gesamten Verein. Mit dem Umzug ins Allianz-Stadion ging in Etappen die eigene sportliche Identität verloren. Diese gilt es rasch zurückzugewinnen. Rapid agiert momentan wie ein Schiff auf dem man sich über die sportliche Ausrichtung streiten. Drei Trainerwechsel in einer Saison sind daher auch kein Zufall. Es liegt also nicht nur am Trainer. Natürlich ist es Zeit, dass auch die Spieler die Leistung auf dem Platz bringen und man wieder jene Rapid-Mannschaft sieht, die vor nicht einmal zwei Jahren beinahe in die Champions League gekommen wäre und in der Europa League tolle Leistungen ablieferte. Zwei Jahre später spielt man in der Tipico Bundesliga um den Abstieg. Auch das Präsidium – und ehemalige Angestellte des Vereins – müssen sich zurecht Kritik gefallen lassen. Denn Büskens war damals eine Erfindung von Ex-Sportchef Müller, Canadi wiederum jene von Präsident Krammer. So gessehen geht das missglückte Experiment mit dem ehemaligen Altach-Erfolgstrainer wirtschaftlich auf seine Kappe.

Eines steht fest: Nun übernehmen Goran Djuricin und Martin Bernhard – zumindest bis Sommer. Doch das soll nur eine Interimslösung sein. Bis Sommer wird Bickel wohl einen neuen Kandidaten präsentieren. Für den Schweizer gilt jetzt nicht den besten sondern den richtigen Trainer zu finden. Ansonsten würde die Alptraumsaison 2016/17 eine Fortsetzung finden. Vorausgesetzt dafür ist der erfolgreiche Klassenerhalt. Nach der desolaten Leistung in Ried ist dies keinesfalls eine Selbstverständlichkeit.

09.04.2017

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