Heimvorteil muss man sich erarbeiten – aber gibt’s den auch?
Volle Zuschauertribünen, lautstarke, emotionale Anfeuerungen durch die Fans, vertrautes Umfeld, eine Sportanlage, die man beherrscht. Der berühmte Heimvorteil, er macht ungeahnte Kräfte frei. Er soll auch bei der Heim-Europameisterschaft im Kanuslalom vom 29. Mai bis 1. Juni in der VERBUND-Wasserarena zum Tragen kommen. Die österreichischen PaddelsportlerInnen wollen ihn durch harte Arbeit erzwingen …
Immer und immer wieder tauchen die Paddel ins Wasser, kämpfen die AthletInnen gegen die Tücken des Wildwassers. Ausgepumpt, ein kurzes Verweilen im Zielbecken, Kräfte sammeln und ab in den nächsten Lauf. Zweimal täglich versucht das rotweißrote EM-Aufgebot, die Schwierigkeiten im 250 Meter langen Wildwasserkanal auf der Wiener Donauinsel bei der Steinsportbrücke in den Griff zu bekommen.
Die Schufterei soll bei der Europameisterschaft zu zählbaren Ergebnissen führen. Viktoria Wolffhardt, die Überraschungs-EM-Dritte des Vorjahres, denkt kurz nach, ob es überhaupt einen Heimvorteil im Kanuslalom gibt: „Sieht man die Resultate, dann muss es wohl so sein. Die Deutschen in Augsburg oder die Slowaken in Bratislava, sie sind zu Hause enorm stark. Ist einfach logisch, dass man auf der Strecke, wo man oft trainiert, besser ist, weil ja alle Strecken anders sind. Ich hoffe, auch für mich gibt es in Wien dann Heimvorteil.“
Julia Schmid, C1-Vize-Europameisterin 2013, hofft „in den vielen Trainingseinheiten einen Heimvorteil herauszuholen. Deshalb habe ich in Wien einen Praktikumsplatz an der Kleintiermedizin belegt, um möglichst oft auf der EM-Anlage trainieren zu können.“ Den Rest des Jahres studiert die angehende Tiermedizinerin in München.
Für Staatsmeister Andreas Langer ist der Fall klar: „Heimvorteil gibt es, auf jeden Fall. Die VERBUND-Wasserarena ist neu. Die Strecke ist tückisch, man muss wissen, wie man damit umgeht. Da haben wir einen Vorsprung, ich glaube nicht, dass das die anderen so schnell hinkriegen.“
Auf der Euphoriebremse stehen hingegen Routinier Helmut Oblinger und die Olympiadritte Violetta Oblinger-Peters: „Den Heimvorteil gibt es wohl, aber die guten KanutInnen stellen sich innerhalb einer Woche auf die Bedingungen ein.“ Ähnlich auch die zweimalige Weltmeisterin Corinna Kuhnle: „Man kennt eine Anlage besser, wenn man ständig drauf trainiert. TopathletInnen reichen aber einige Tage, um eine Strecke in den Griff zu bekommen. Jedoch gibt es schon Anlagen, auf die das zutreffen muss. Etwa Augsburg, wo die Deutschen fast unschlagbar sind.“
Presseinfo: Österreichischer Kanuverband
14.04.2014