Österreichs Rugby-Jugend macht sich fit für die EM

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Mit einem Rugby-Lächeln im Gesicht trotzten 28 junge und taffe österreichische Jungs dem eiskalten Wetter und nahmen an dem U18 Trainingscamp und dem Testspiel gegen die VIS in der Ravelinstraße vergangenes Wochenende teil.

Von den Großen lernen
Erstmalig veranstaltete der Österreichische Rugby Verband für seine Jugend ein Trainingscamp in dieser Art. Den Einstieg in die Trainingssessions machten die Erwachsenen-Spieler der österreichischen Nationalmannschaft und brachten ihren sportlichen Erben bei Lineout- und einfachen Handling-Übungen ihre Expertise bei. Im Anschluss übernahm Nationalteam-Trainer Lofty Stevenson und setzte mit einer Breakdown-Session fort, bevor das Erlernte schließlich in die Praxis umgesetzt wurde.

Beim Testspiel gegen den starken Wiener Jugendverein, die Vienna International School, verlor die als „U18 Austrian Bavarians“ angetretene Mannschaft mit einem Unterschied von zwei Tries. Das Spiel ging zwar 20:10 für die Schüler mit internationalem Background aus, jedoch gewann die U18 die Aufmerksamkeit des VIS-Trainers. Garet Briggs war nach dem Testspiel sehr beeindruckt: „Als ich hörte, was Lofty uns mitteilen wollte, dachte ich zunächst: Worüber spricht er da? Aber fünf Minuten später brachte er jeden soweit, dass zu tun, was er ihnen zuvor bei der Tackle Ball Presentation und Cleaning Rucks gezeigt hat. Ich habe erkannt, dass es wirklich Sinn macht, was den Spielern beigebracht wird.“ Die Übungen waren logisch und einfach und Briggs konnte das ein oder andere auch für seine eigenen Trainingsmethoden mitnehmen.

Schiedsrichter Chris Jones gefiel es offensichtlich auch, da er in den höchsten Tönen von den Fähigkeiten der Spieler sprach: „Es war ein sehr schneller Anlauf der Burschen. Sie brauchen nur noch mehr Spiele, dann werden sie umso besser werden. Auch in diesem Spiel konnte man sehen, dass das Niveau schon sehr gut war. Auf beiden Seiten punkteten die Spieler mit guten Angriffsphasen und richtigem Tackling.“

„Das war intensiv!“
Jan Eder spielt inzwischen bei den Erwachsenen des Vienna Celtic RFC und war vergangenes Jahr noch im U18 Nationalteam. Rückblickend hätte er damals gerne mehr präzises Fangen und Passen geübt. Dies wurde in diesem Camp ausgiebig trainiert, bestätigt auch Moritz Rauch, der ebenfalls ein ehemaliger Jugendspieler ist und feststellte, wie gut das Training lief: „Das Verfeinern der eigenen Skills und das anschließende Spiel erlauben uns die Möglichkeit, Erlerntes auszuprobieren und im Spiel zu verbessern. Ich weiß, dass ich meine körperlichen und kommunikativen Fähigkeiten im Spiel noch viel mehr verbessern und dazulernen kann. Daher werde ich in Zukunft bei allen Trainings dabei sein.“

Den Trainingstag fasst Camp-Leiter Lofty Stevenson mit den Worten zusammen, dass alle Spieler „einen fantastischen Vormittag hatten und diejenigen, die nicht dabei waren, weil es ihnen vielleicht zu kalt war, haben sich geirrt.“ Zwar hatte es an diesem Tag Minusgrade, aber umso aufgeheizter war die Stimmung der 28 Jungs, für sie war es eine unglaubliche Rugby-Erfahrung. Nach dem Abpfiff brachte es Max Steinbrenner, Captain der VIS, richtig auf den Punkt bringt: „Das war intensiv!“.

Trainingscamp endete mit vielen glücklichen Gesichtern
Am Samstag wurde das Trainingscamp der österreichischen Jugendmannschaft in Atzgersdorf fortgesetzt. Trainer Gordon „Nugget“ Chiu genoss nicht nur den Tag mit seinem Team, sondern war auch mit ihnen sehr produktiv. Nach vier Stunden Training analysierten sie das Testspiel des Vortags, und versuchten eigene Fehler zu erkennen und zu verstehen, die dann in den darauffolgenden Stunden mit Fine Tuning bei Pass- und Fangübungen ausgemerzt wurden. Alle freuen sich darauf in den nächsten Einheiten noch mehr zu lernen, aber bis auf Mittwoch sind die Tage zum Ausrasten reserviert. Die Regenerationsphasen sind nämlich wichtiger Bestandteil des neuen Trainingskonzept, dass den Jungs auch gefällt. „Ich habe heute viele glückliche Gesichter gesehen und es werden noch mehr dazukommen. Es war ein weiterer großartiger Trainingstag nicht nur für Rugby, sondern auch für die Geschichtsbücher“, fasst Trainer Nugget abschließend zusammen.

„Im Wissen liegt die Kraft“ – das U18-Nationalteam auf dem Weg in die EM 2014

Die Europameisterschaft 2014 steht bevor und nach gelungenem Aufstieg im vergangenen Jahr gilt es für das österreichische Nachwuchsteam sich in der Gruppe B nun zu bewähren.

Gordon „Nugget“ Chiu ist seit 2009 U18 Trainer und wird seine Mannschaft erfolgreich durch die EM2014 bringen.
Am ersten Februarwochenende beginnt die U18 mit einem Trainingscamp zur Vorbereitungen für die bevorstehende Europameisterschaft. Polen wird das nächste Reiseziel der österreichischen Jugend sein. Dort wird sich der Nachwuchs der Jahrgänge 1996 und 1997 vom 10. bis 20. April den anderen Rugbynationen in der Gruppe B stellen. Bevor die Vorbereitungen für die EM so richtig losgehen, ergriff der ÖRV die Gelegenheit mit U18-Trainer Gordon „Nugget“ Chui über die Herausforderungen der Mannschaft zu sprechen.

ÖRV: Wie lange trainierst du die U18 schon und warum wolltest du Trainer sein?

Nugget: Seit 2009 bin ich U18-Trainer und mit manchen Spielern, die ich damals trainiert habe, spiele ich jetzt im Nationalteam. Ich denke, das ist der natürliche Lauf der Dinge. Daher fühlt es sich so an, wie ein Elternteil von vielen Kindern zu sein. *haha*

ÖRV: Als Trainer betrachtet man die Qualitäten der Spieler sehr genau. Kannst du erkennen, ob ein Spieler eine Rugbykarriere anstreben oder es besser bleiben lassen sollte?

Nugget: Jeder kann Rugby spielen und du wirst es nie nicht lernen können. Hier gelten dieselben Regeln wie im echten Leben: „Stop when you are dead“.

ÖRV: Mit dem Aufstieg in die Gruppe B war das Jahr 2013 sehr erfolgreich für die U18. Wie hoch ist der Druck für die kommende European Championship in Polen?

Nugget: Die größte Herausforderung nach einem Aufstieg ist, in dieser Gruppe auch bleiben zu können. Die Gegner dieser Länder haben immer schon auf einem höheren Level gespielt als wir und sie wissen daher, was sie von dem Wettbewerb zu erwarten haben.

ÖRV: Da eure Spieler ja älter werden (Anm. nur Jahrgänge 96, 97 sind zugelassen), könnt ihr auch nicht mit der Mannschaft antreten, die euch vergangenes Jahr die Siege eingebracht hat.

Nugget: Der Abgang älterer Spieler schwächt uns enorm. Wir haben immer einen kleineren und jüngeren Kader gehabt, und die, die wir brauchen könnten, sind meistens im Maturajahrgang. Wir verlieren damit Reife, Stärke, Fähigkeiten und Führungskraft, wenn wir die älteren Spieler herausnehmen müssen.

ÖRV: Ihr kennt die Teams aus Luxemburg und der Schweiz, da ihr bereits im Rahmen von Trainingscamps zusammengearbeitet habt. Wie sieht das Niveau im Vergleich zur österreichischen U18 aus?

Nugget: Luxemburg und die Schweiz sind auf einem ziemlich ähnlichen Level. Ich schätze, in diesen Ländern wird viel mehr mit internationalen Studenten gespielt, da du bei den Camps einige mit britischem Akzent Sprechen hörst. Da Rugby ursprünglich aus England kommt, sind diese Spieler wahrscheinlich mit dem Sport aufgewachsen, wohingegen die meisten von uns erst in ihrer späteren Jugend in Verbindung mit Rugby gekommen sind. Die anderen Länder haben dieses Problem nicht. Aber ich weiß, dass im Wissen die Kraft liegt und Rugby ein intelligentes Spiel ist. Je mehr das Team als Einheit ein kollektives Know-How entwickelt, desto stärker wird man auf der eigenen Seite spielen.

ÖRV: Welche Gegner denkst du, könnten euch an eurem Erfolg hindern? Und auf welchem Tabellenplatz siehst du die österreichische Mannschaft – realistisch gesehen?

Nugget: Es können sehr viele Faktoren davon abhängig sein, aber jedes Team ist in der richtigen Situation schlagbar. In Wirklichkeit würde ich unsere Jungs an der Spitze sehen wollen, aber realistisch gesehen, sehe ich uns in der unteren Hälfte.

ÖRV: Habt ihr einen bestimmten Plan, wie ihr in der Gruppe B bestehen wollt?

Nugget: Natürlich haben wir den, aber ich werde unsere Geheimnisse nicht jetzt preisgeben. 😉

ÖRV: In der zweiten Hälfte des Jahres 2013 hatte man den Eindruck, dass die personelle Zuständigkeit für die Entwicklung der U18 Mannschaft noch ungeklärt war. Habt ihr diese Phase überwunden?

Nugget: Ich denke in der zweite Jahreshälfte hat sich sehr viel verändert, nicht nur für die U18, sondern auch für ganz Rugby Austria. Als Trainer-Spieler haben wir uns natürlich mehr auf das eigene Spiel als auf die U18 konzentriert, denn beinahe alle Jugendtrainer sind auch Spieler der Nationalmannschaft. Unser System baut darauf auf, dass wir im Nationalteam spielen, und das Erlernte an unsere Jugendspieler weitergeben. Wir sind die Bindeglieder in einer Kette.

Dass wir diese Phase des Neuanfangs jetzt schon überstanden haben, denke ich nicht, aber wir sind auf dem Weg dorthin. Ich hätte gehofft, dass jeder dahinter wäre, aber wir brauchen viel mehr Unterstützung. Du siehst ständig dieselben Gesichter herum laufen, aber mehr würden auf jeden Fall besser sein. Mehrere Hände machen die Arbeit leichter.

ÖRV: Gib es bestimmte Maßnahmen, die ihr euch für die Entwicklungen der U18 in Österreich wünscht?

Nugget: Zunächst müsste der Aufbau von U18-Spielern schon bei den unter 10-Jährigen beginnen. Es würde schon wahnsinnig helfen, wenn man Rugby im Fernsehen schauen könnte. Wenn man das in der Grundschule einführen würde, könnten sich die Kinder schon sehr früh körperlich und mental als Menschen und als Spieler entwickeln. Einige unserer Spieler haben viel zu spät in ihrem Leben mit Rugby begonnen, als dass sie ernsthaft in höheren Spielklassen bestehen könnten. Wenn man ihnen Grundfähigkeiten beibringen muss, die eigentlich automatisch funktionieren müssten, benötigt man enorm viel Arbeit und manchmal ist es auch frustrierend. Aber wenn man seine „Kinder“ beim wachsen zusieht, weiß man, dass sie all die Tränen wert sind.

Dass Tränen bei der Europameisterschaft vergossen werden, wollen wir natürlich nicht, sondern wünschen viel Kraft für die Vorbereitungsphase und Erfolg für die Europameisterschaft in Polen. Am 12. April wird das erste Spiel gegen Schweden ausgetragen werden. Bis dahin werden zahlreiche Trainings und das ein oder andere Testspiel stattfinden. Der ÖRV wird das U18-Team selbstverständlich auf ihrem Weg begleiten.

Presseinfo ÖRV

03.02.2014


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