Flo Hiess: Österreich gegen Kanada – David gegen Goliath

Für Ahornsirup, Mountain-Rangers und Elche bekannt, wollte Team Kanada beweisen, dass sie nicht nur im Nationalsport Eishockey führend, sondern auch im American Football eine „Weltmacht“ sind. Regelweise gab es trotz allem einige Adaptionen zu machen, da in Kanada ein Mann mehr pro Team am Feld stehen darf und die Endzonen doppelt so lange sind. Eindrucksvolle Umsetzung zeigten sie jedoch schon beim Spiel gegen Frankreich. Mit einem Sieg 45:10 wurde bestätigt, dass sie gegen französischen Charme immun waren. Nun war abzuwarten ob sie vielleicht mit österreichischem Schnitzel „weichzuklopfen“ waren.

Mit voller Aufmerksamkeit war jetzt nur ein einziger Tag Vorbereitung zwischen den Spieltagen. Doch auf unseren Spielplan vertrauend sahen wir dem Favoriten mit Freude entgegen. So wurden letzte Anpassungen gemacht, „Autschis“ behandelt und Motivation getankt, sei es durch eines von Coach Max Sommer legendären Videozusammenstellungen, oder dem Wissen, dass wir die Chance bekommen würden richtig hochnäsigen „Ungusteln“ in den Hintern zu treten. Denn der leitende Trainer von Kanada betrachtete österreichischen Football als Witz und war unfreundlich, was von dem Bedürfnis in Anstandsregeln unterwiesen zu werden zeugte. Zusätzlich sahen es einige kanadische Spieler anscheinend als vollkommen legitim an den Gegner anzuspucken, kratzen oder an unsittlichen Stellen zu penetrieren.

Um ihnen in diesem Sinne Mannieren beizubringen durften wir am 11. Juli 2011 wieder in die UPC Arena einlaufen. Eine untergehende Sonne und ein zum Lachs dünstend, dampfender Boden zeichneten die Kulisse in der die Fans (alle in Rot-weiss-Rot) eine Stimmung machten als wäre ein Rockkonzert.

Leider fing unsere Angriffsformation alles andere als Allstars an. Fouls, Unklarheiten und Anspannung hinderten uns daran die Beine auf den Boden zu bekommen. Die phänomenal eingestellten Verteidigungsabteilungen der beiden Mannschaften dominierten so zu Beginn des Spielverlaufs. Doch wie bei einem mächtigen Damm erlag unsere Verteidigungslinie dem unentwegten Übergewicht des kanadischen Angriffs mit der Zeit und brach in Halbzeit zwei zusammen.

Viel zu spät entflammte dann endlich das Feuer in unserer Offense. Purer Wille beflügelte uns und trug uns über das gesamte Feld, wo „Mr. Increadable Hands“– Jakob Dieplinger den ersten Toutchdown für Österreich bei der WM 2011 machte. Erleichtert spielten wir mit Spaß und Freude auf und bewegten den Ball über den Platz, was dem einen oder anderen Kanadier gar nicht gefiel. Trotzdem haben wir verloren. In der Realität war Goliat zwar der Stärkere, jedoch hat ihn David ordentlich in die Waden gebissen. Und bei einer solchen Stimmung im Stadion und Fan-Kids, die sogar um stinkende Spielerhandschuhe stritten, verließ jeder Team Österreich Spieler das Stadion mit erhobenem Haupt. Danke euch allen.

Side-Story:
Trotz gewisser Fairness-Differenzen gab jeder österreichische Spieler brav die hand nach dem Spiel und zeigte seine Anerkennung. Doch der Nummer 90 von Kanada war das anscheinend nicht genug. Dieser knapp zwei Meter große DL wollte mir persönlich nämlich ein Bussi aufdrücken, beziehungsweise noch nach dem Spiel sich in UNSERER Kabine mit uns verbrüdern. Auf dieses sicher frankokanadische Ritual dankend verzichtend schickte ihn OL Thomas Tippold postwendend wieder in seine eigene Kabine zurück. In Österreich wird eben nur die Liebe AM Sport geschätzt und nicht die Liebe „IM“ Sport. Over and Out Euer Flo

17.08.2011

Die mobile Version verlassen